Alte Heimat

Windig und ein bisschen wild, frisch und grün. Die Sonne steht höher. Die Luft riecht anders.  Der Slang, vertraut, als wäre ich immer hier. Steckt alles in mir drin, verpackt in Kisten der Erinnerung, die aufpoppen, sobald ich in den Norden komme, und sich schließen, wenn ich ihm den Rücken kehre. Weiterlesen „Alte Heimat“

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Feuer und Aufwind

Mit das merkwürdigste am Schreiben ist ja das Alleinsein. Zumindest in der realen Welt alleine. Im Hirn und auf dem Papier ist ja eine Menge los und durchaus auch mal Getümmel. Umso inspirierender ist es, wenn sich Synergien bilden. So wie es mir vor wenigen Tagen passiert ist. Thema war das Cover meines ersten Bands der GL Trilogie, welches ich bereits entworfen hatte, aber nicht selber professionell umsetzen kann, da zwei Semester Kommunikations-Design für so etwas eben doch nicht ausreichen. Losgezogen bin ich also mit dem Wunsch ein Cover zu bekommen, zurückgekommen bin ich mit einem springendem Herz, dem Kopf voller Ideen und einem Team an Unterstützern. Da macht man sich Gedanken, wie man dieses oder jenes lösen könnte und letztlich gibt es immer nur einen Weg: Raus gehen und sich mitteilen. Eigentlich weiß ich das schon lange, warum vergisst man die klugen Sachen so oft? Nun also zur allgemeinen und eigenen (!) Erinnerung: Jeden Tag einen Schritt gehen und an manchen Tagen gibt’s dafür einen Quantensprung. Oder wie mein Mann zu unserem kleinen Sohn zu sagen pflegte: »Kein Tag ohne Beute!«

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Work in Process – GL Trilogie

Ich laufe jetzt zum fünfzehnten Mal um den Bewegungsplatz. Nicht denken, nicht fühlen. Mein Herz schlägt in dem gleichen Rhythmus mit dem meine Füße die rote, leicht elastische Bahn rund um den Platz berühren. Ich habe vergessen meine Haare zusammenzubinden, die mir nun schweißnass an Kopf und Schläfen kleben. Nicht denken, nicht fühlen. Zum x-Mal passiere ich den etwa zehnjährigen Jungen an der Stirnseite der Bahn, der auf einem einfachen Holzstuhl sitzt und einen monotonen Trommelrhythmus schlägt. Seine kurzen Beine reichen kaum von der Sitzfläche bis zum Boden und er trägt trotz der kühlen Abendluft kurze Sporthosen. War er auch laufen? Soll er ins Bild passen? Was für ein blöder Gedanke. Als wenn ein Kind, in Sporthosen und mit einer Trommel auf dem Schoß, irgendwo hinpassen würde. Weiterlesen „Work in Process – GL Trilogie“

Kroatien 2

Ich hatte einen seltsamen Traum. Zunächst hatte ich eine Autopanne und während ich auf meinen Mann wartete, der mir zur Hilfe eilte, fiel mir ein, dass wir noch ein drittes Kind haben. Ein Baby namens Matilda. Ich konnte mich aber überhaupt nicht daran erinnern, wann ich Matilda zuletzt sah, geschweige denn, wo sie nun steckte. Nur ihre Geburt vage vor Augen, versuchte ich mich krampfhaft zu erinnern, was danach passierte. Als mein Mann kam, rief ich ihm zu »Wir haben Matilda vergessen!« – nun schon einigermaßen in Panik Weiterlesen „Kroatien 2“

Kroatien, 1

Ich fahre in den Urlaub, um zu schreiben. Meine Herzensfreundin S. regte an, ich könne doch auch mal nix tun, aber der einzige Sinn an den Strand zu gehen besteht für mich darin, endlich meine Ruhe zu haben. Nicht, das ich das türkisfarbene Meer und die Sonne verschmähen würde, aber während der Rest der Familie herum schnorchelt, oder auf Luftmatratzen dahintreibt, hocke ich in merkwürdigen Positionen im Schatten – Po in der Luft, Kopf über das Heft gebeugt; mit angezogenen Knien, das Heft auf den Oberschenkeln balancierend; verknotet vor der Kühlbox, die als Tisch dient – es ist sau-unbequem, macht aber glücklich. Weiterlesen „Kroatien, 1“

Selfpublishing Day

architecture-3309203_1920Ich habe gewonnen. Ich gewinne nie und jetzt habe ich etwas gewonnen. Ein Ticket für die Selfpublisher Days im Mai. Ich sah die Ausschreibung, dachte »Knorke, genau das, was ich brauche« und habe mitgemacht. Schließlich plane ich selbst, als Selfpublisherin zu veröffentlichen und was wäre gescheiter, als eine Messe mit Profis zu besuchen, die meine Wissenslücken schließen können? Auf das Datum habe ich gar nicht richtig geachtet, irgendetwas mit Mai, mein Gehirn hat den 30. dazu fabuliert, »passt schon«, hab ich gedacht und das ich ja sowieso nie etwas gewinne. Zumindest nicht bei Preisausschreiben. Aber nun habe ich gewonnen, mich entsprechend gefreut und dann festgestellt, dass ich keine Zeit habe. Der Selfpubisher Day ist nämlich am 26. Mai und nicht am 30. Und da kann ich nicht. Gar nicht. Auch nix schieben.

Zunächst gefror ich in Scham (Oh Gott, dass muss ich denen jetzt ja sagen, wie peinlich!), dann fragte ich zwei Autorenkolleginnen, ob die statt meiner gehen möchten, aber die können auch nicht. Schließlich überwand ich mich und beichtete den Ausschreibern, dass ich nicht damit gerechnet habe zu gewinnen und nun leider dankend ablehnen muss. Fanden die jetzt auch nicht so tragisch, man nimmt sich dann halt doch immer wichtiger, als man ist. Nun darf jemand anderes dort hin. Ich habe derweil gleich noch einige weitere Preisausschreiben mitgemacht, den Lauf gleich ausnutzen! Das Schloss nehme ich auch. Ehrlich, ohne Wenn und Aber!

A page a day, Part 4

Als Inra später bei Mark im Arm liegt, ein Ritual, dass sie sich über die Jahre bewahrt haben, fühlt sie sich schuldig. Ihr scheint es, als verzichte er auf so viel und sie auf gar nichts. Fünfzehn Jahre sind sie nun ein Paar und Mark war immer für sie da. Hat sie aufgefangen nach dem Tod ihrer Eltern, hat sich nie gehen lassen und sieht immer noch gut aus mit seinem wuscheligen braunen Lockenkopf und auch das bisschen mehr Gewicht steht ihm gut. Schnarcht nicht, sowie andere Männer in seinem Alter, hat sie nie betrogen. Glaubt sie zumindest. Während sie erst ein Jahr getrauert, dann ein Jahr herumgereist ist, ewig keine Aufgabe und keinen Job fand, ihm keine Kinder schenkte. Und nun ist es zu spät. Welche vernünftige Frau wird mit fünfundvierzig schwanger? Weiterlesen „A page a day, Part 4“

Alle Jahre wieder…

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber seit sechs Wochen könnte ich im Stehen einschlafen. Nachdem ich kurz besorgt war, ich könnte einer schweren Krankheit erlegen sein (normalen Schnupfen halte ich grundsätzlich für ausgeschlossen, zu wenig „on the edge“, zu wenig Drama!), fiel mir jetzt auf, dass ich letztes Jahr zur selben Zeit auch unter dieser erschlagenenden Müdigkeit litt und das Jahr davor auch. Dank meiner Herzensfreundin Sigi führe ich ein 10-Jahre-Tagebuch, in dem jeder Tag des Jahres in zehn Zeilen untereinander steht und ich so täglich lese, was ich genau an diesem Tag vor einem, zwei und so weiter Jahren dachte und fühlte. Plötzlich werden Muster erkennbar, die man sonst vergessen würde. Weiterlesen „Alle Jahre wieder…“

Fragment / GELOBTES LAND

Unter meinem Fuß knackt es. Alarmiert halte ich inne und blicke nach unten. Auf dem staubtrockenen Boden liegt ein zerbrochener Zweig. Der Sturm letzte Woche muss ihn herübergeweht haben. Es ist das erste Mal, dass ich außerhalb eines Marktages in das geräumte Dorf komme und das Herz schlägt mir bis zum Hals. Manchmal suchen die armen Leute in den leeren Markthallen nach Resten; nach Getreidekörnern am Boden oder vergammeltem Gemüse mit einer ordentlichen Ecke. Weiterlesen „Fragment / GELOBTES LAND“

Ne Seite pro Tag, oder auch alle zwei

Gar nicht so einfach, mit „A page a day“, irgendwie grätscht mir das Leben immer dazwischen. Dennoch ist es eine Herausforderung, die ich soweit wie möglich über den Sommer beibehalten will – eine Möglichkeit den inneren Kritiker mal auf die Ersatzbank zu schicken. Die tägliche Seite ist unzensiert und unüberarbeitet, dafür ohne Druck und ohne Perfektionsanspruch. (Den ich sowieso für überbewertet halte. Perfektion gibt’s nicht.)

Und dabei heraus kommt dann so etwas:

Ein greller Strahl von Sonnelicht
der Morgen hier, der Frühling nicht
zu kalt, zu hell, zu wenig Blüten
die Füße kalt, das Herz am wüten

Doch hab Geduld, dort kommt er schon
der Spring award, der Sonnensohn
trägt dich davon mit seiner Laune
fegt aus dem Kopf das dunkle Geraune

Jetzt bist du hell,
kannst dich nicht wehr’n
schlägst mit den Flügeln
und das zu gern.

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